Die Audio-Enzyklopädie

Ein Nachschlagewerk für Tontechniker

Der Diffusor im Bücherregal

Hat man mehrere Bücher gleicher Größe, so kann man sich ganz prima eine Diffusor daraus "zurechtschieben". Einfach die Bücher übereinstimmend mit einer Maximalfolge in unterschiedlicher Tiefe ins Regal stellen und schon wird der Schall an den Büchern diffus zurückgeworfen. Beispiel für einen 18 bändigen Brockhaus, jedes Buch 5cm dick, Maße von der Regalvorderkante gemessen:

Buch Nr / Tiefe:
01: 0cm
02: 1cm
03: 4cm
04: 9cm
05: 16cm
06: 8cm
07: 2cm
08: 15cm
09: 13cm
10: 13cm
11: 15cm
12: 2cm
13: 8cm
14: 16cm
15: 9cm
16: 4cm
17: 1cm
18: 0cm

Die Diffusor arbeitet nun von: 1000Hz bis 3500Hz!

Einfluss leergetrunkener Bierflaschen auf die Nachhallzeit des Aufnahmeraums

Jeder kennt den Effekt - wird über den Rand einer leer (halbleer gibt's nicht in Tontechnikerkreisen) getrunkenen Bieflasche geblasen, so entsteht ein Ton. Dieser ist auf die Helmholtzresonanz der Flasche zurückzuführen. Bei einer Flasche Augustiner Hell liegt die Resonanz beispielsweise bei 165Hz.

Steht nun ein ganzer Kasten dieses unentbehrlichen Kaltgetränks leer in der Regie herum, so wird die Nachhallzeit bei 165Hz hörbar verkürzt. Dies führt vor allem im Grundtonbereich der Sprache zu einem etwas dünneren Klang. Besser wäre es, die leeren Kästen in den Aufnahmeraum zu stellen, da sich dort im Frequenzbereich von 150-500Hz eine kürzere Nachhallzeit der Sprache klanglich positiv auswirkt. Für eine optimale Bedämpfung empfiehlt es sich aber 0,5l und 0,33l - Kästen zu mischen, um eine breitere Absorption zu ermöglichen. Cola, Wasser und Spezi geht übrigens nicht, da diese Getränke zu untypisch für Audioleute sind.

Die Auswirkungen asymmetrisch am Kopf angebrachter, stoffüberzogener Reflektoren auf das Stereobild

Immer öfter sind sie in den Kreisen der Tontechnik-Novizen als Kopfbedeckung zu sehen, bei den Absolventen dann jedoch kaum noch. Die Rede ist von von den Base- oder New-Era-Caps, vor allem zu sehen bei Anhängern zu weit geratener Beinkleidung.
Doch das Absurdeste an diesem Kopfschmuck ist deren asymmetrische Platzierung auf dem Kopf des Trägers. Teilweise knickt dabei sogar das Ohr um aber das scheint angesichts der visuellen Imageverbesserung nicht zu stören.

Nun stellt sich die Frage, ob diese Art der Kopfbedeckung nicht zu einer Verschiebung des Stereobilds führt. Frühe Reflexionen durch den Schirm erzeugen hierbei nicht nur Kammfilter sondern auch einen höheren Pegel am schirmnahen Ohr. Wie soll man angesichts solcher Voraussetzungen vernünftig hören lernen und ein Stereobild beurteilen können?

Einmal falsch gelernt, wird einen dieses Ungleichgewicht der Lokalisation dann bis ins hohe Alter zum Tragen asymmetrischen Kopfschmucks beim Mischen zwingen. Ob dann jedoch ein schief sitzender Hut im Studio noch so cool aussieht, ist fraglich.

Bleibt an dieser Stelle der Tip: Das Cap immer mittig zu drehen oder ganz darauf zu verzichten (siehe oben: Absolventen).

Auch eher harmlos sind Durags oder Bandanas, aber nur, wenn die (Segel-)Ohren freibleiben.

Vergesst nicht, Eure Mikrofone regelmäßig zu reinigen!

Ich bedaure hiermit alle Mikrofone im aktiven Einsatz!!!

Die meisten Mikrofone haben schon ganz schön viel Mist im Laufe ihrer aktiven Zeit zu hören bekommen. Und trotzdem sollen sie nach Möglichkeit immer schön brav ihren charakteristischen Klang beibehalten.

Klassische Versprecher gehören dabei ja noch eher zu den lustigeren Erlebnissen, die ein Mikrofon so erfährt. Wenn aber stundenlang ein Metal"sänger" mit mehr oder weniger feuchter Artikulation in das Mikro hinein-growlt, dann hat es definitiv nichts mehr zu lachen. Und schon am nächsten Tag soll eben jenes Mikrofon plötzlich wieder einen kristallklaren Klang bei der Aufnahme einer Akustikgitarre liefern, obwohl es noch massiv Kopfschmerzen von der gestrigen Metal-Malträtur hat. Wenigstens konnte es nachts gut durchschlafen, da man ihm einfach die Phantomspeisung abschaltete.

Oder das arme Mikro, das wochenlang nur Volksmusik hören durfte, weil man mehrere Alben am Stück mit ihm in der Hauptrolle produzierte. Und kaum ist es so richtig schön eingeschunkelt, schon kommt plötzlich ein dunkelhäutiger R'n'B-Sänger daher und möchte so richtig schön blue mit eben jenem Mikro rüberkommen.

Man sieht, so ein Mikrofon hat's nicht immer leicht und es bekommt im Laufe seines Lebens wahrscheinlich mehr Mist zu hören als manch ein Mensch. Um nun über Jahre hinweg einen konstanten Klang sicherzustellen, empfehle ich Euch hiermit eine regelmäßige General"reinigung".

Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten:

1.) Das Mikrofon wird über mehrere Stunden hinweg mit Rosa Rauschen beschallt. Dadurch neutralisiert sich der Klang wieder. Jenachdem, was das Mikro vorher so erlebt hat, dauert diese Rausch-Kur zwischen 3 und 8 Stunden.

2.) Das Mikro bekommt eine "Vergiss alles was mal war"-Behandlung. Die ist jedoch nicht so einfach, da man ja das Gedächtnis des Mikros löschen muss. Dazu werden alle Kondensatoren und Elkos im Mikrofon ausgebaut und durch neue Bauteile ersetzt.

Wer jedoch sein Mikro wirklich liebt, der wird es nur stilecht einsetzen:
Vor einem Mikrofon für einen Jazz-Saxophonisten hat ein Metal-Sänger nichts zu suchen. Und das Metal-Sänger-Mikrofon soll gefälligst nur mit dieser Stilrichtung aufwachsen. So gewöhnt es sich schließlich dran und kann im guten Gefühl, mit langen Haaren, engen Lederhosen und Cowboystiefeln im Studio auf dem Stativ aufgebaut zu sein, so richtig authentischen Sound produzieren. Der Tontechniker spart sich dann seinen EQ, und auch langwierige Reinigungsprozeduren entfallen...

Was kann uns das "Hidden-Bit" von Fließkommazahlen beibringen?

Jeder (Audio Engineer) spricht heute von Fließkommazahlen oder Floating-Point Berechnung und erhofft sich daduch ein wenig Anerkennung bezüglich seines (rhetorischen) Technikwissens zu erheischen. Wird eben genannter Begriff noch mit den Worten "nativ", "DAW" und "Audio Engine" angereichert, so gelingt es einem auch tatsächlich fast immer, sein Gegenüber ein wenig zu beeindrucken.

Jedoch ist eine Sache an den Fließkommazahlen merkwürdig: Obwohl sie als 32-Bit Fließkommazahl bezeichnet werden, auf 32-Bit Systemen berechnet werden und auch nur 32-Bit Speicherbedarf haben, bestehen sie doch in Wirklichkeit aus 33 Bit. Das kommt von der Tatsache, dass diese Zahlen ein "Hidden Bit" beinhalten, das immer "1" ist und daher nicht gespeichert werden muss.

Fließkommazahlen werden nämlich in Computersystemen immer "normalisiert" dargestellt - das bedeutet, dass immer ein gültiger Zahlenwert vor dem Komma der Mantisse stehen muss. Statt der Zahl 0,0101001•2^(0) würde man also immer die Zahl 1,0100100•2^(-2) speichern.

Da bei Binärzahlen die einzig mögliche gültige Zahl vor dem Komma eine "1" ist, muss dieses Bit nicht extra gespeichert werden sondern kann immer fest mit dem Wert "1" angenommen werden. Da es nicht gespeichert, also auch nicht explizit sichtbar ist, nennt man es "Hidden Bit".

Nun stellt sich die Frage, ob die Idee des "Hidden Bit" nicht auch auf andere Datenformen übertragbar ist.

So könnte man beispielsweise auf der CD-DA (gemeinhin als Audio-CD bezeichnet) ein "Hidden No Emphasis Bit" annehmen, da sowieso kein Mensch die im Red-Book spezifizierte 50/15-Emphasis benutzt. Das dadurch frei werdende Bit wäre dann anderweitig benutzbar und könnte irgendwelche sinnlosen Tags oder so beinhalten.

Ok, ok... blödes Beispiel.

Aber nehmen wir zum Beispiel Telefonnummern:

Jede Vorwahl fängt mit einer "0" an. Jeder weiß das und Millionen von Datenbankeinträgen speichern diese Null auch brav ab. Aber wozu? Es ist doch klar, das eine Vorwahl mit einer Null anfängt...
Würden wir alle Nullen in allen Vorwahlspeichern der Welt als "Hidden-Bit" definieren, dann könnten wir vielleicht schon ein ganzes Kraftwerk abschalten, das nur die dafür notwendigen Festplatten mit Strom versorgt!

Naja... vielleicht nicht ganz.